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Rede Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (Stadt Wesel) ILEK-Niederrhein Abschlußpräsentation
17.08.2006 in Wesel
„Sehr geehrte Damen und Herren,
Wenn man hier in den Saal blickt, wird schnell deutlich: Hier trifft sich die Region Niederrhein! Ich sage das ganz bewusst - „Region Niederrhein“, denn eins hat für mich der ILEK-Prozess besonders gezeigt: Regionales Denken und regionales niederrheinisches Bewusstsein sind bei den Bürgerinnen und Bürgern im Niederrhein-Dreieck Wesel/Rees/Hamminkeln ganz ausgeprägt vorhanden, hier wird in den Orten regional gedacht und gelebt!
Das finde ich sehr gut, das weist den richtigen Weg in die Zukunft! Denn eins ist klar: Zwar gehört die Kirche ins Dorf, aber die die Zeit des Kirchtums-Denkens ist schon lange vorbei! Wer über den Kirchturm hinaus nicht den regionalen Weg sucht, landet schnell in der Sackgasse! Deshalb passt der Spruch, der in den vorangegangenen Wochen bei den vielen ILEK-Treffen öfters zu hören war: „Wir sind Niederrhein!“
Ich finde: Wir sollten gemeinsam diesen Spruch zum Anspruch unserer ganzen Region machen! Wir sind Niederrhein, das sollte heißen: Wir hier am Niederrhein haben Potential, das wir gemeinsam nutzen wollen! Wir wollen den regionalen Strukturwandel gerade hier im ländlichen Raum – und, meine Damen und Herren, wir brauchen ihn auch! Ohne einen regionalen Strukturwandel, wie er im ILEK-Prozess in Konturen und auch schon in konkreten Projekten aufgezeigt worden ist, kann die Zukunft am Niederrhein nicht gelingen!
Daher kann gerade in diesem Zusammenhang die im ILEK-Prozess Niederrhein geleistete intensive und produktive regionale Zusammenarbeit der vergangenen Monate nicht hoch genug eingeschätzt und gewürdigt werden! Ein kurzer Blick zurück: Mit der Auftaktveranstaltung Anfang Februar in Haldern ging es los; Ende Mai gab es die Zwischenpräsentation in Mehrhoog. An die 100 Bürgerinnen und Bürger arbeiteten in den zurückliegenden Monaten intensiv in den ILEK-Arbeitskreisen mit. Das war eine außerordentlich gute Beteiligung und, wie ich feststellen darf, besonders auch von der Qualität her hervorragend. Dafür auch von dieser Stelle vielen Dank an alle Beteiligte!
Die Themen der 4 Arbeitskreise zeigen dabei deutlich die Schwerpunkte der Regionalentwicklung hier am Niederrhein:
- Landwirtschaft,
- Tourismus,
- dörfliche Entwicklung und Kultur,
- Naturerlebnis/Naturschutz und Gewässer.
Ein besonderes Merkmal ist aus meiner Sicht das Miteinander von Naturschutz, Tourismus, Landwirtschaft und Unternehmen. Und hier, in diesem Miteinander, wie es ja auch bei der NFN, dem NaturFreizeitverbund Niederrhein positiv zum Tragen kommt, liegen aus meiner Sicht auch die entscheidenden Potentiale für eine Regionalentwicklung Niederrhein. Da passt es, dass in diesem ILEK-Prozess in Abstimmung mit allen Beteiligten als Leitbild formuliert worden ist: „Freizeitangebote und Natur gemeinsam entwickeln und die Region Niederrhein zukunftsfähig machen“ Denn dort, wo dieses Miteinander bereits nutzbringend umgesetzt werden konnte, hat sich der ländliche Raum wirtschaftlich außerordentlich positiv entwickelt. Das zeigt zum Beispiel eine Studie über „regionalökonomische Effekte im Miteinander von Naturschutz und Tourismus“ der Universität München und dem Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr: So wurden in der im genannten Miteinander entwickelten Region Müritz im Untersuchungsjahr 2004 Bruttoumsätze von 13,4 Millionen Euro erzielt. Den damit verbundenen regionalökonomischen Effekten entprechen ca. 630 Arbeitsplätze vor allem in den Bereichen Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleitungsgewerbe. Weitere Beispiele: In der Region Hoher Fläming in Brandenburg waren es 6,2 Mio. Euro mit 211 Arbeitsplätzen, im Altmühltal 20,7 Mio.Euro mit 483 Arbeitsplätzen! Sie sehen, Regionalentwicklung lohnt sich! Man muß vor allem anfangen und die ersten Schritte tun.
Daher finde ich es gut, dass – wie wir ja gleich noch hören und sehen werden – bereits Vorschläge für die weitere Umsetzung der erarbeiteten Projektideen gemacht werden. Auch was die Stadt Wesel angeht, möchte ich zum Abschluß einige konkrete Maßnahmen aufzeigen, die wir zur Umsetzung zumindest einzelner ILEK-Ideen und -Projekte bereits vorbereitet haben und mit den ILEK-Akteuren für die Region umsetzen möchten:
- 1. Stichwort Umnutzung leerstehender landwirtschaftlicher Gebäude:
Durch Betriebsaufgabe, Übergang vom Haupt- in den Nebenerwerb und die Errichtung neuer wirtschaftlicher Gebäude stehen auch hier in der Niederrhein-Region immer mehr Scheunen, Ställe oder Speicher leer. In diesem Zusammenhang wird die Stadt Wesel gemeinsam mit der Euregio Rhein-Waal in Wesel für die gesamte Region eine zentrale Informationsveranstaltung im Rahmen eines Interreg-Projektes ausrichten.
Erste Vorbereitungen sind mit der Euregio bereits getroffen worden. Beteiligt am deutschniederländischen Projekt ist als Träger die Landwirtschaftskammer NRW und auf niederländischer Seite die LTO Noord. Geboten wird u.a. eine Beratung und Unterstützung bei der Umsetzung von neuen Nutzungskonzepten für ehemalige Landwirtschaftsgebäude. Weiterhin ist Ziel, eine grenzüberschreitende Internet-Datenbank als Marktplatz für Anbieter und interessierte Nutzer aufzubauen. Ein Flyer zum Thema „Wegweiser zur Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude“ liegt bereits vor und liegt heute hier aus.
- 2. Stichwort Hofbesichtigungen:
Die Entwicklung neuer Vermarktungsstrategien für Landwirte ist für die Region Niederrhein ein wichtiges Ziel. Daher prüft die Stadt Wesel zur Zeit ebenfalls gemeinsam mit der Euregio eine Kooperation mit dem Interreg-Projekt „Euregionale Vermarktungsinitiative“, kurz „EVI“. Konkret haben wir u.a. vorgeschlagen und angeboten, die Startveranstaltung für dieses Vorhaben mit umfangreichen Informations- und Beratungsangeboten zu diesem Thema in Wesel zu organisieren. Weitere Beteiligungsmöglichkeiten zum Nutzen unserer Region werden geprüft. Wesel wird sich hier zur Förderung des regionalen Strukturwandels im Rahmen seiner Möglichkeiten nach Kräften einbringen.
- 3. Stichwort touristische Vermarktungsstrategien:
Dies wird bei der weiteren Umsetzung des ILEK-Prozesses eine ganz wichtige Aufgabe sein. Gemeinsam mit meinen Kollegen aus Res und Hamminkeln bin ich der Auffassung, dass wir hier von Anfang an keine Insel-Lösungen, sondern einen regionalen Vermarktungsansatz brauchen. Auch hier gilt: Kirchturm-Denken bringt uns nicht weiter! Schließlich werben wir als Region um neue Gäste und wollen am Markt auch als Region wahrgenommen werden. Wesel, Hamminkeln und Rees sollten daher ein gemeinsames Vermarktungskonzept für unsere Region entwickeln. Ziel ist es u.a., die im ILEK-Prozess und auch von der NFN erarbeiteten Produkte für Besucher kundenfreundlich jeweils vor Ort anzubieten bzw. zu vermitteln. Es muß unser gemeinsames Bestreben sein, die Absatzmöglichkeiten der erarbeiteten regionalen Produkte konsequent weiter zu entwickeln und zu verbessern! Dabei wollen wir möglichst auf vorhandene touristische Infrastruktur wie z.B. Verkehrsvereine und kommunale Touristikstellen zurückgreifen. Auch die Potentiale der Entwicklungsagentur Wirtschaft im Kreis Wesel könnten und sollten hierzu genutzt werden, die EAW ist ja bereits in die Überlegungen eingebunden. Die Stadt Wesel strebt weiterhin als einen ersten Schritt an, gemeinsam mit dem Verkehrsverein Wesel e.V. in der Stadtinformation am Großen Markt Informationen über ILEK- Produkte anzubieten, Einzelheiten werden noch geklärt.
Zuletzt ein Blick in die Zukunft – wie geht es weiter? Eins ist sicher: Die Entwicklung der Region Niederrhein gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern darf mit dem heutigen Abend nicht beendet sein! Daher finde ich es gut, dass im Rahmen der Möglichkeiten der NaturFreizeitverbund Niederrhein zunächst einmal mit den Arbeitskreisen und weiteren Interessierten die Arbeit fortsetzen will. Das ist der richtige Ansatz. Auch die beteiligten Kommunen werden, da weiß ich mich in Übereinstimmung mit meinen Kollegen aus Rees und Hamminkeln, die Entwicklung des regionalen Strukturwandels weiter nach Kräften unterstützen. In welcher Form wir das organisieren, das prüfen wir derzeit gemeinsam mit der NFN. Wir werden auch sorgfältig prüfen, welche Rolle Förderungen spielen können oder sollen.
Auch über ein Miteinander der „Nachbar-ILEKS“ Niederrhein und Lippe-IsseI darf nachgedacht werden. Gleichzeitig sollten wir vermeiden, uns bei der Umsetzung ausschließlich oder zu stark allein von Fördertöpfen abhängig zu machen. Vieles lässt sich auch jetzt schon ohne großen Finanzbedarf umsetzen, fangen wir als erste Schritte damit an! Ich bin daher gespannt, welche Ideen und Vorschläge wir heute noch zu hören bekommen! Unserer Veranstaltung wünsche ich einen guten Verlauf und unserer Region Niederrhein eine gute, erfolgreiche Zukunft!“
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